St. Martin

Ich sehne mich nach dem

was früher mein Leben war,

Leben war.

Erleben.

Ich rieche Luft,

ich rieche Blätter,

nass vom herbstlichen Regen,

Wind und Stimmen der Menschen,

warm eingepackt, lachend,

Kindergesichter, die leuchten

und Laternen schwenken.

Kleine, runde Lichter

gegen die Dunkelheit,

die damals

noch nicht ich war.

Vertrauen

und gedankenlose Freude.

Der Duft von Waffeln erwartet uns

und ein sicheres Heim.

Alles so selbstverständlich,

nicht ahnend,

dass es auch anders sein kann.

Alles verloren.

Duft, Herbst, Licht, Vertrauen.

Unerreichbar

in meiner Erinnerung,

nur noch schmerzend.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

„Zeilen verfasst in einem Wäldchen an einem windigen Tag“ von Anne Brontë

Meine Seele ist erwacht, mein Geist erhebt sich
Und wird emporgetragen auf den Flügeln des Lufthauchs;
Denn über mir und um mich herum tost der wilde Wind,
Entfacht die Verzückung des Lands und der See.
Das lang vertrocknete Gras glänzt im Sonnenschein,
Die nackten Bäume werfen ihre Äste empor;
Die toten Blätter unter ihnen tanzen fröhlich,
Die weißen Wolken jagen über den blauen Himmel.
Ich wünschte, ich könnte sehen wie das Meer peitscht
Den Schaum seiner Wellen zu Wirbelwinden aus Gischt.
Ich wünschte, ich könnte sehen wie seine stolzen Wellen vorwärtsschießen,
Und hören das wilde Brüllen ihres Donners heute.

„Lines composed in a wood on a windy day“. Ich wünschte, ich könnte so schreiben und beschreiben wie Anne Brontë. Selbst der Titel ist für mich schon Poesie.

Das Original:

     My soul is awakened, my spirit is soaring
     And carried aloft on the wings of the breeze;
     For above and around me the wild wind is roaring,
     Arousing to rapture the earth and the seas.

     The long withered grass in the sunshine is glancing,
     The bare trees are tossing their branches on high;
     The dead leaves beneath them are merrily dancing,
     The white clouds are scudding across the blue sky

     I wish I could see how the ocean is lashing
     The foam of its billows to whirlwinds of spray;
     I wish I could see how its proud waves are dashing,
     And hear the wild roar of their thunder to-day!
Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

„Vergangene Tage“ von Anne Brontë

Es ist merkwürdig zu denken, dass es eine Zeit gab
Als Heiterkeit kein leeres Wort war, 
Als Lachen wahrhaftig das Herz erfreute, 
Und häufiges Lächeln unberufen kam, 
Und Tränen der Trauer nur flossen
Aus Mitgefühl für Andrer' Leid.
Als Rede den innersten Gedanken ausdrückte,
Und Herz zu gleichem Herz war bloß,
Und Sommertrage viel zu kurz waren
Für all die Vergnügen, die sich dort drängten,
Und Stille, Abgeschiedenheit und Rast
Jetzt willkommen der ermatteten Brust. 
Waren alle ungeschätzt, unverdient
Und all die Freude, die eine Seele zeigte, 
Fühlte die andere tief nach;
Und Freundschaft floss wie ein Fluss
Beständig und stark sein ruhiger Verlauf,
Nichts widerstand seiner sanften Macht. 
Als die Nacht, die heilige Zeit des Friedens,
Gefürchtet war als die Abschiedsstunde; 
Wenn Sprache und Frohsinn zugleich erlöschen müssen,
Und Schweigen seine Macht wiedererlangen muss;
Obgleich stets frei von Schmerz und Leid, 
Brachte sie uns nur gleichmütige Ruhe. 
Und als das gesegnete Morgengrauen wieder 
Brachte Tageslicht zum errötenden Himmel, 
Erwachten wir, und widerstrebend sodann,
Zu freudloser Arbeit erhoben wir uns;
Doch voller Hoffnung, und froh und heiter, 
Begrüßten wir den wiederkehrenden Tag. 

„Vergangene Tage“. Auch ich denke oft, dass mein Leben früher besser war, auch wenn ich nie so glücklich war, wie es Anne beschreibt. Nostalgisch, melancholisch, das Gedicht, Anne, ich… Es berührte meine Seele so oft ich es lese.

Nun, jedenfalls habe ich mich hier erdreistet das Gedicht „Past days“ von Anne Brontë zu übersetzen. Mehr schlecht als recht, aber so kann ich das Gedicht vielleicht dem einen oder anderen Leser näherbringen.

Wer den Originaltext nachlesen möchte, kann das Original „Past days“ im Buch „POEMS von Currer Ellis und Acton Bell“ lesen, z. B. hier: https://www.gutenberg.org/files/1019/1019-h/1019-h.htm#link2H_4_0055

Und wer Interesse an einer kurzen Analyse des Gedichts hat, kann z. B. auf der Seite https://poemanalysis.com/anne-bronte/past-days/ nachlesen.

Oder ihr sucht einfach im Netz, es gibt sicher unzählige Seiten zu den Werken der genialen Brontë-Schwestern.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Blumen.

Blumen. Ich wünschte, ich hätte sie dir im Leben geschenkt. Nein, ich wünschte, ich hätte dir die Liebe geschenkt, die du als Mensch verdient hattest. Doch du hättest sie nicht gewollt und ich glaubte, du hättest sie nicht verdient. Jetzt ist alles zu spät.
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Liebster Schnurrbert!

Mein Katziges, Liebstes, Herrliches!
Kuschelweicher Samt, halbmondförmig gelegt,
gekniffene Äuglein, gespitztes Ohr.
Streifig-fellig, biegsam,
tiefste Ruhe, erschöpfter Schlaf.
Und doch: Schnell gespannt,
neugierig, gehuscht und gerannt.
Geniales Lauern, geschmeidiger Sprung.
Feuchte Nase, genießerische Gier.
Gejagt, gehetzt… und wieder müde.
Keine Last der Welt auf den Schultern.
Schlafen, träumen, zucken,
liegen, strecken, lecken.
Schnurrig, mein Schnurriger!
Schlafend, schläfriger, mein Kätzchen!
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Zugebloggt!

Alter, ich werde zugebloggt!
Achtung, das ist gefährlich. Und ich muss sagen, man hat keine Chance zu entkommen.
Du kannst dich nur verstecken, indem du dich ausloggst.
Oder selbst deine Sorgen wegbloggst.
Das schockt!
Soviel Meinung gegeigt, never seen before.
Reinklicken oder rausklicken, das ist hier die Frage.
Ist was faul im Staate Internet?
Nö, die Gedanken sind frei, keiner kann sie erschießen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Ich will dir mal was Anderes sagen!

Ich habe es dir tausendmal gesagt…

Lass dir die Haare schneiden!

Benimm dich nicht wie ein kleines Kind!

Benimm dich nicht so in der Öffentlichkeit!

Rasier dich!

Zieh deine Jacke ordentlich an!

Räum dein Zimmer auf!

Ich habe mir den Mund fusselig geredet!

Jetzt will ich dir mal was Anderes sagen:

ICH LIEBE DICH!!!

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

ZEITIME – Das Stück

Aufstellen nach Altersgruppe,
rot: Erwachsene,
pink: Jugendliche,
farblos: Großeltern,
mit Betonung sprechen,
kurze Pausen dazwischen,
im Hintergrund können Bilder von Uhren zu sehen sein,
abwechselnd, nicht zu schnell,
Instrumentalmusik im Hintergrund,
die Ruhe aber nicht Entspannung vermittelt.

Zeit

Es ist an der Zeit

uns eine zeitlose Frage zu stellen:

Was bedeutet uns Zeit?

Am Anfang glauben wir soviel Zeit zu haben,

dann rinnt sie uns durch die Finger

und am Ende erkennen wir entsetzt,

dass wir keine Zeit mehr haben.

Unser Leben lang verschwenden wir Zeit,

manchmal genießen wir Zeit,

viel zu selten nehmen wir uns Zeit,

viel zu oft lassen wir uns unter Zeitdruck setzen,

von Zeit zu Zeit langweilen wir uns,

wir wissen nichts mit unserer Zeit anzufangen,

wir haben gute Zeiten,

wir haben schlechte Zeiten,

vielleicht vergessen wir sogar einmal die Zeit.

Seit vielen Zeitaltern geht es jedem Menschen so.

Hätten wir unendlich viel Zeit, was würde Zeit uns überhaupt bedeuten?

Gibt es überhaupt Zeit? Ist es eine Erfindung des Menschen um Kontrolle über sein Leben zu erlangen?

Der Mensch vergeht, wie die Zeit vergeht.

Die Zeit ist uns so wichtig, das wir sie managen und planen müssen.

Zeit ist ein knappes Gut!

Wir haben uns diesen Zeitpunkt ausgesucht, über ein Thema zu sprechen:

Ach du meine Zeit …

Zeit: 7 Minuten!

Eine Person schaltet eine übergroße Stoppuhr auf dem Bildschirm (Beamer) an, die Zeit läuft rückwärts, ganz genau 7 Minuten.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Rette dich! (2009)

Jetzt weiß ich, dass nicht ich verrückt bin. Alle um mich herum sind es, alles um mich herum ist es. Das Geschwätz, Türenschlagen, das Knallen, das Hämmern, das Schreien, das Lärmen, alles um mich herum ist verrückt. Sie sind es, sie sind verrückt. Und eine Stimme in meinem Herzen sagt zu mir: Rette dich, rette dich! Lass alles an dir abprallen und höre und sehe nichts mehr. Tu es bevor es zu spät ist.

Oder lass endlich alles los, verlier dich in der Welt des Irrsinns und versinke in der Bewusstlosigkeit. Oder ist es schon zu spät und du wirst dich plötzlich leicht fühlen und dir wird ganz klar, dass du nur noch springen kannst, ohne Angst, gleichmütig, nein, fast in Vorfreude, dass es vorbei ist, dass aller Lärm, alles Reden, alle Gedanken, alle Sorgen verschwinden werden und sie mit mir.

Ich weine.

Kennst du den Weg in den Wahnsinn? Er zieht an dir vorbei wie eine nie endende Schlange und du musst dich nur anschließen und mit ihm gehen. Reihe dich ein und du wirst sein wie die, die auf dem Weg ins Nichts tanzen und springen und singen und zucken. Dann wird nichts mehr eine Bedeutung haben, nicht andere, nicht das Leben, nicht mal deine eigenen Gedanken.

Was für eine Erlösung, was für eine Ruhe und Gleichförmigkeit, Ordnung und Freiheit. Endlich nicht mehr fühlen und denken, leer sein, nichts sein, nicht sein. Das ist das Ziel, das ist der Weg.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Von einem unbekannten Verfasser

Hoffnung ist es, die den Menschen vergessen lässt, was unerreichbar ist.
Gehe behutsam Deinen Weg
inmitten des Lärms und der Hast dieser Welt
und vergiss nie, welcher Friede im Schweigen liegen kann.
Lebe, soweit als möglich und ohne Dich selbst aufzugeben
in guten Beziehungen zu anderen Menschen.
Verkünde Deine Wahrheit ruhig und klar.
Höre auch anderen zu, sogar Törichten und Unwissenden:
auch sie haben ihre Geschichte.
Meide laute und aggressive Menschen,
sie bringen nur geistigen Verdruss.
Es ist möglich, dass Du entweder stolz oder verbitterst wirst,
wenn Du Dich mit anderen vergleichst,
denn immer wird es bedeutendere und unbedeutendere
Menschen geben als Dich selbst.
Freue Dich des Erreichten genauso wie Deiner Pläne
doch sei auf jeden Fall demütig.
Sei Du selbst.
Heuchle vor allem keine Zuneigung und spotte nicht über die Liebe.
Nähre die Kraft Deines Geistes,
um plötzlichem Unglück gegenüber gewachsen zu sein.
Viele Ängste entstehen aus Müdigkeit und Einsamkeit.
Neben einer heilsamen Disziplin sei freundlich zu Dir selbst.
Du bist ein Kind des Universums,
nicht weniger als die Bäume und Sterne,
Du hast ein Recht darauf, hier zu sein.
Und die Kraft des Universums wird sich so entfalten,
wie es sein muss, ob Dir das klar ist oder nicht.
Deshalb lebe in Frieden mit Gott,
was immer Du Dir unter ihm vorstellst.
Und was immer Deine eigenen Bemühungen und Absichten sein mögen:
halte Frieden mit Deiner Seele in diesem lärmigen Durcheinander des Lebens.
Mit all ihrem Schein, ihren Kümmernissen und zerbrochenen Träumen
ist diese Welt dennoch wunderbar.
Sei vorsichtig.
Strebe danach, glücklich zu sein.
.
.
Von einem (mir zumindest) unbekannten Verfasser. Wurde angeblich 1692 in der alten St.-Pauls-Kirche von Baltimore gefunden. Ob das so stimmt? Nichts Genaues weiß man nicht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen